Einführung

Bereits das gedruckte Repertorium des Staatsarchivs aus dem Jahre 1904 weist 86 Privatarchive auf. Diese hatte Rudolf Wackernagel aber noch den Nebenarchiven zugeordnet. Erst später wurde eine eigene Abteilung geschaffen, vermutlich in Folge des grossen Zuwachses.

Beginn der Sammlung

Allerdings handelt es sich bei den ersten Privatarchiven im wesentlichen um Einzelstücke sowie um wertvolle Handschriften handelt, deren Herkunft vielfach unbekannt ist oder die sich nicht ohne weiteres in Wackernagels Ordnungsstruktur eingliedern liessen. Sie umfassen vor allem einzelne Personalurkunden wie Geburtsbriefe, Pässe oder Eheabreden sowie eine grosse Anzahl von Berainen aus privatem Besitz und vereinzelte Familienpapiere. Immerhin befinden sich darunter mit dem Handlungsbuch des Ulrich Meltinger (PA 62) und dem Schuldbuch des Klaus Stützemberg (PA 66) zwei für die Basler Wirtschaftsgeschichte des 15. Jahrhunderts zentrale Quellen. Mit dem Privatarchiv 82 lässt sich schliesslich auch ein erstes Familienarchiv (Wackernagel Familienstiftung) ausmachen.

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Bedeutung der Privatarchive

Mit den Jahren verschob sich das Interesse des Staatsarchivs hin zu den geschlossenen Archiven von Familien, Vereinen und Organisationen sowie Einzelnachlässen. Mit der Übernahme ganzer Archive stieg auch die Bedeutung der Privatarchive als Quellen für die historische Forschung.

Das amtliche Schriftgut widerspiegelt nur die staatliche Tätigkeit und damit trotz seines grossen Umfangs nur einen Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Archivbestände aus privater Provenienz ergänzen die staatliche Überlieferung oder sind gar der einzige Quellenzugang zu bestimmten Fragen. Von zentraler Bedeutung erweisen sich dabei immer wieder Korrespondenzserien, die der Forschung auf besondere Weise Einblick in das private Leben der Menschen gewähren.

Neben der Sammlung geschlossener Bestände dient die Abteilung der Privatarchive auch heute noch als Sammelbecken für Einzelstücke, die nicht in einen bereits vorhandenen Bestand integriert werden können.

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Nicht vorhandene Privatarchive

Zwei Kategorien von Privatarchiven sucht man im Staatsarchiv aber oft vergeblich: Archive von Basler Firmen und Unternehmen befinden sich in der Regel im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv, die wissenschaftlichen Nachlässe von Professoren in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek. Bedeutende Ausnahmen sind das Archiv der Basler Baugesellschaft (PA 1092), einer der ältesten noch existierenden Baufirmen in Basel sowie die Nachlässe der Professoren Edgar Bonjour (PA 1111) und Tadeus Reichstein (PA 979).

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